
Zum bereits vierten Mal konnte das MGJ den Austausch mit unserer Partnerschule Collège Grégoire de Tours in Marlenheim bei Straßburg realisieren. Wie in jedem Jahr stand der Besuch unserer französischen Austauschschule am MGJ und auch der Rückbesuch des MGJ in Marlenheim unter einem gemeinsamen Thema, das von den Schülerinnen und Schülern aus verschiedenen Perspektiven betrachtet und bearbeitet wurde.
Marlenheim wie Jülich liegen in einer Grenzregion, der Besuch der Nachbarstaaten (Belgien, Niederlande sowie Deutschland und Schweiz) gehören zum Alltag der Schülerinnen und Schüler. So sehr, dass für das Bewusstsein, dass überhaupt Grenzen zwischen diesen europäischen Staaten existieren (die Schweiz bildet da eine Ausnahme), erst sensibilisiert werden musste, so gab das Programm unter dem Titel „Grenzgänger“ Gelegenheit dazu.
Nach der Ankunft der Austauschpartnerinnen und -partner starteten wir in Jülich mit einer gemeinsamen Reflexion über Herkunft, Familiengeschichte, Erfahrungen zum Thema „Grenzen“, die sich am ersten Tag natürlich zusätzlich ein wenig als „Sprachbarriere“ zeigten.
Im Haus der Geschichte in Bonn konnten die Schülerinnen und Schüler dann erfahren, welche schmerzhafte Bedeutung die „innerdeutsche Grenze“ für die BRD und DDR für über 40 Jahre hatte. In Aachen ging es dann in einer gemeinsamen Stadtführung um die Spuren der sich verändernden Grenzen durch die Stadtgeschichte Aachens im Dreiländereck. Das Dreiländereck konnte dann sogar physisch auf dem höchsten Punkt Hollands, dem Vaalserberg, erlebt werden. In der Auseinandersetzung und Reflexion wurde deutlich, dass die „Grenzenlosigkeit“ des Schengenraums in Europa nicht selbstverständlich ist und in Zeiten zunehmender Grenzkontrollen und Abschottungsforderungen einzelner Staaten wieder an Relevanz gewinnt.
In der Woche vor Pfingsten ging es dann für die Schülerinnen des MGJ nach Marlenheim. Die Aufregung war groß und die Wiedersehensfreude bei einigen auch. Bei einem Tagesausflug nach Lörrach lernten die Schülerinnen und Schüler die Bedeutung und Geschichte des Rheins als „Grenzflusses“ kennen. Auch in der Schule wurde gemeinsam zur Geschichte des Elsass gearbeitet, das als Grenzregion und „Zankapfel“ zwischen Frankreich und Deutschland leidvolle Erfahrung mit dem Wechsel der Grenzen und der Nationalität gemacht hat.
Mit ihren Austauschpartnerinnen und -partnern ging es für unsere Schülerinnen außerdem ins Europäische Viertel in Straßburg, wo bei bestem Wetter und guter Laune das Thema „Europäische Union“ im Mittelpunkt stand.
Das Thema „Grenzgänger“ wurde für die deutschen und französischen Schülerinnen und Schüler in verschiedensten Facetten beleuchtet. Die Komfortzone zu verlassen und in eine fremde Gastfamilie zu fahren, sich in einer fremden Sprache zu verständigen, andere Gewohnheiten und Lebensweisen kennenzulernen und auch bei sportlichen Aktivitäten gemeinsam die persönlichen Grenzen zu überwinden komplettierte das Motto des Austauschs und die ein oder andere Schülerin ist als „Grenzgängerin“ dabei sicherlich auch über sich selbst hinausgewachsen.
Lutz Terodde und Theresa Richenhagen